„Die Investmentbank die hervorragenden Beziehungen des Politfunktionärs für ihre Geschäfte“

Screenshot vimeo.com

Hinter verschlossen Türen und in privaten Gemächern finden zuweilen hochbrisante Gespräche, vermutlich über den Euro und die Europäische Union statt: Über deren Inhalt kann man nur spekulieren, weil keine Informationen nach außen dringen. Aber die Protagonisten sind sowohl in der Bankenwelt, als auch in EU-Bürokratie beheimatet, wobei zwischen politischer Arbeit und Lobbyismus für Banken nur schwer zu unterscheiden ist.

>>Focus<<

„Die Investmentbank Goldman Sachs ist eine Legende in der Welt des großen Geldes. Das Finanz-Unternehmen hat aber noch viel mehr Einfluss. Zahllose Ex-Mitarbeiter sitzen weltweit in den Zentren der Macht. Einer der einflussreichsten ist EZB-Chef Mario Draghi. … Damit ist die Liste einflussreicher Ex-Goldman-Sachs Mitarbeiter längst nicht erschöpft, wie die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtet. Auch wenn sich Goldman Sachs nach der Finanzkrise öffentlich zurückhielt, hält das Bankhaus weiter engen Kontakt zur politischen Elite. … Dass es auch andersherum funktioniert, beweist der Fall José Manuel Barroso. Der Ex-EU-Kommissionspräsident ließ sich im Sommer 2016 von Goldman Sachs als Berater mit politischen Kontakten anheuern. Hier nutzt die Investmentbank die hervorragenden Beziehungen des Politfunktionärs für ihre Geschäfte. Ex-Goldmänner sind auch in Europa als Strippenzieher am Werk. Der mächtigste ist sicherlich Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt am Main. Der Italiener war von 2002 bis 2005 Vice President bei Goldman Sachs. Heute legt Draghi zusammen mit dem EZB-Rat die Zinspolitik für die Eurozone fest. Die Entscheidungen wirken sich direkt auf die 340 Millionen Einwohner der Eurozone aus. Das bedeutet: In Zeiten der Nullzinspolitik bekommen Sparer für ihr Geld auf der hohen Kante keine Belohnung.“

 

>>Spiegel<<

„Das Schreiben liest sich wie ein Geständnis. „In der Tat habe ich Herrn Barroso von Goldman Sachs im Silken Berlaymont Hotel in Brüssel am 25. Oktober 2017 getroffen“, schreibt EU-Vizekommissionschef Jyrki Katainen in einem zweiseitigen Brief. „Herr Barroso und ich waren die einzigen Teilnehmer des Treffens, in dem wir vor allem über Handels- und Verteidigungsangelegenheiten gesprochen haben.“ Das Schreiben, das dem SPIEGEL vorliegt, belegt, dass José Manuel Barroso, der Ex-Chef der EU-Kommission, der im Juli 2016 zur Investment-Bank Goldman Sachs gewechselt ist, in seinem neuen Job hochrangige Kommissionsmitglieder trifft. Barroso selbst hatte betont, es gehe bei Goldman Sachs nur um eine Art Beratertätigkeit. … Es bleiben dennoch Fragen: Warum fand der Treff in einem Hotel in unmittelbarer Nähe zum Hauptgebäude der Kommission statt und nicht in Katainens Büro? Warum gab es keine Begleiter, keine Notizen oder sonstige schriftliche Belege? Der Kommissionsvizechef versucht in seinem Schreiben den Eindruck zu erwecken, es sei vor allem eine Art privates Treffen gewesen. Außer dem Zusammenkommen im Oktober 2017, so Katainen, habe es für ihn keine Gelegenheit gegeben, sich mit Barroso auszutauschen, seit er zu Goldman Sachs gewechselt sei. Barroso habe um das Treffen gebeten, es sei per Telefon arrangiert worden. Doch wenn es sich nur um einen Kaffeeplausch zweier alter Bekannter handelte, warum findet sich der Termin dann unter Goldman Sachs in Katainens Liste mit Lobbyistentreffs? „Der Brief von Kommissar Katainen legt sehr nahe, dass Barroso tatsächlich seine privilegierte Position dazu nutzt, die EU im Namen von Goldman Sachs zu beeinflussen“, sagt Margarida Silva von Alter-EU, einem Zusammenschluss von etwa 200 Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften. „Keiner außerhalb der Institution hat mehr Insider-Wissen, Kontakte und anhaltenden Einfluss als ein früherer Präsident der Kommission.“

 

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

„In einer Debatte um den anstehenden Ausstieg Großbritanniens aus der EU ging es darum, was der für die Briten bedeute, in London und anderswo. „Als Folge des Brexits wird es schwieriger werden, Arbeitskräfte zu Niedrigkosten zu bekommen“, analysierte Edi Truell, Gründer des Londoner Fonds Disruptive Capital, der laut Eigendarstellung „Verrenkungen in Märkten“ ausnutzt und eine Strategie „reich werden und reich bleiben“ verfolgt. Truell also sorgte sich darum, wie – mit der Aussicht auf sinkende Einwandererzahlen – noch Billigpersonal zu rekrutieren sei. Schlussfolgerung: raus aus dem Einzelhandelssektor. Denn dort arbeiten viele Niedrigqualifizierte, und deren Löhne geraten möglicherweise bald unter Druck – nach oben. … Die Kluft zwischen (Finanz-)Eliten einerseits und dem Durchschnittsbürger andererseits: Sie ist vielen Fondsmanagern und Private-Equity-Leuten durchaus klar.“

Die Europäische Union und der Euro ist hauptsächlich ein Projekt der Banken und vermögender Privatpersonen: Nur diese profitieren finanziell von herrschenden Gegebenheiten.

 

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