„Gründung einer Universität der Sorben und Wenden in Bautzen und Görlitz“

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Herzlich Willkommen im sorbischen Kernsiedlungsgebiet der zweisprachigen Lausitz; Herzlich Willkommen in der Gemeinde Räckelwitz, mit den Ortsteilen Räckelwitz, Dreihäuser, Höflein, Neudörfel, Schmeckwitz und Teichhäuser.“ – So ist es auf der Webseite der Gemeinde Räckelwitz zu lesen. Im Kernsiedlungsgebiet der zweisprachigen Lausitz sollte eigentlich Sorbisch an erster Stelle stehen. Doch weit gefehlt. Tatsächlich hat die Sprache auch dort mit existenziellen Problemen zu kämpfen.

Schulschließung wegen Lehrermangel im Kernsiedlungsgebiet der zweisprachigen Lausitz?

>>Radio Lausitz<<

„Das Landesamt für Schule und Bildung hat die Bildung einer zweiten 5. Klasse an der sorbischen Oberschule abgelehnt. … Demnach gäbe es an der Schule für das kommende Schuljahr bereits 32 Anmeldungen, doch nur eine Klasse mit 28 Schülern wurde genehmigt. Vier Kinder aus der Nachbargemeinde Crostwitz mussten abgelehnt werden und sollen auf die Oberschule in Ralbitz ausweichen. Das Landesamt begründet die Entscheidung mit dem Personalmangel.“

„Das Landesamt begründet die Entscheidung mit dem Personalmangel“

Selbst nach ihren eigenen Regeln hätte eine zweite 5. Klasse gebildet werden können. Die Begründung „Personalmangel“ kommt doch sehr fadenscheinig daher. Immerhin hat sich das Problem an qualifizierten Sorbischlehrern schon lange vorher abgezeichnet und ist weiten Teilen selbstverschuldet.

Ist der Mangel an Sorbischlehrern selbstverschuldet?

Aber vielleicht würde eine Rekapitulation der gesamten Situation helfen: Das Bildungsministeriumrespektive Sächsisches Staatsministerium für Kultus – ist in Dresden angesiedelt – was auch die Entscheidung über die 5. Klasse getroffen hat – und die Sorbischlehrer werden in Leipzig ausgebildet. Die Bildung der Sorbischen Lausitz wird also aus der weiten Ferne bestimmt. Unter lokaler Bildungsautonomie dürfte man sich doch etwas anderes vorstellen. Auf alle Fälle ist die Taktik bereits bekannt. Bei der angedachten Schulschließung der Sorbischen Grundschule in Crostwitz wurde ganz ähnlich argumentiert.

„Sorbischen Grundschule in Crostwitz“ – „Tobenden Skandal anlässlich der Schließung der 5. Klasse“

>>Radio Prag<<

„Über den in Sachsen tobenden Skandal anlässlich der Schließung der 5. Klasse der sorbischen Grundschule in Crostwitz, erfuhr die breitere tschechische Öffentlichkeit in der vergangenen Woche.“

Letztendlich hat die Schulschließung seiner Zeit nur lokale Protest verhindert

Letztendlich hat die Schulschließung seiner Zeit nur lokale Protest verhindert. Auch Radio Prag hat darüber berichtet. Insbesondere das Sorbische Schulwesen kann auf eine ganz eigene geschichtliche Entwicklung zurückblicken, was der Schriftsteller Milan Hrabal hervorgehoben hat.

Sorbischunterricht im Gymnasium: „Erste Mal, dass sie die Oberschulausbildung in ihrer Muttersprache erhalten konnten“

>>Radio Prag<<

„Der Initiator und erste Signatar ist der Warnsdorfer Schriftsteller Milan Hrabal. Radio Prag bat ihn, uns aus dem Text der Erklärung zu zitieren:

„Wir äußern unsere Solidarität mit dem Streben der Sorben nach der Erhaltung des sorbischen Schulwesens und sind uns dessen bewusst, dass es eine der unausweichlichen Bedingungen für die weitere Existenz dieser kleinen Nation ist.“

„Es gab hier vor allem ein sorbisches Gymnasium. Dieses existierte schon drei Jahre vor der Gründung der DDR. Es war in der Geschichte ihrer Nation überhaupt das erste Mal, dass sie die Oberschulausbildung in ihrer Muttersprache erhalten konnten. Im Gymnasium wurde auf Sorbisch bzw. auf Tschechisch unterrichtet.“

Warnsdorf wurde damals das „Fenster zur Lausitz“ genannt und daran hat man auch nach 1989 angeknüpft.“

„Warnsdorf wurde damals das „Fenster zur Lausitz“ genannt“

Der Unterricht in Sorbischer Sprache war noch niemals etwas selbstverständliches gewesen. Noch heute hört meist Sorbische Bildung am Gymnasium auf. Insgesamt gibt es zwei Sorbische Gymnasien in der Lausitz. Praktisch nur für die Lehrerausbildung ist das Studium in Sorabistikim fernen Leipzig – möglich. Bis heute ist universitäre Bildung in Sorbischer Sprache so gut wie ausgeschlossen und der ungefähre Stand von 1946 wurde faktisch zementiert. Kaum eine wichtige Entscheidung wird innerhalb der Lausitz getroffen und diese Form der Fremdbestimmung wirkt bis in die Region hinein.

„Viele Sorben und Wenden fühlen sich in ihrer Lausitzer Heimat wie in einer Diaspora“

>>Lausitzer Rundschau<<

„Viele Sorben und Wenden fühlen sich in ihrer Lausitzer Heimat wie in einer Diaspora. … Die Sorben und Wenden in der Lausitz fordern konkrete Schritte zum Erhalt ihrer Sprache und Kultur. … Eine andere Forderung betrifft die Gründung einer Universität der Sorben und Wenden in Bautzen und Görlitz. … Zugleich pochen die Initiatoren des Parlamentes auf Autonomie bei Bildung und Kultur mit eigener Budgetverwaltung, über die ein demokratisch legitimiertes Parlament verfügen soll. Konkret geht es um Kompetenz und Mitspracherecht bei der Schulnetzplanung, Einsatz von Lehrern und Lehrplaninhalten, die der Geschichte und Lage der Sorben und Wenden Rechnung tragen.“

„Gründung einer Universität der Sorben und Wenden in Bautzen und Görlitz“

Die fehlende Sorbische Bildungsautonomie und der Mangel an Sorbischlehrern hängen unmittelbar zusammen. Genau dieser Lehrermangel muss dann für Auflösungen von Klassen und am vielleicht sogar für Schulschließungen herhalten.

„Nicht genug Nachwuchs für unser Kultur- und Sprachsystem produziert“

>>Minderheitensekretariat der vier autochthonen nationalen Minderheiten und Volksgruppen<<

„Aber „der größte Missstand im Moment ist der, dass das Bildungssystem, salopp gesagt, nicht genug Nachwuchs für unser Kultur- und Sprachsystem produziert.” Deshalb müsse nach dem Vorbild der sorbischen Kulturautonomie auch über eine Bildungsautonomie nachgedacht werden, aber im Einvernehmen mit allen Betroffenen.“

„Müsse nach dem Vorbild der sorbischen Kulturautonomie auch über eine Bildungsautonomie nachgedacht werden“

Natürlich sind die Sorbische Kultur- und Bildungsautonomie miteinander verknüpft. Am Ende geht es im Kern um den Fortbestand der Sorbischen Sprache und die Weiterentwicklung der Sorbischen Kultur.