Pakistan: Christen nach Angriffen in Angst

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Rund 100 Familien haben nach islamisch-extremistischer Gewaltwelle Häuser und Besitz verloren

(Open Doors, Kelkheim) – Die Angriffe auf ein christliches Wohnviertel in Jaranwala am vergangenen Mittwoch haben Spuren hinterlassen. Auch wenn inzwischen einige der islamisch-extremistischen Angreifer festgenommen wurden und die betroffenen christlichen Familien vom Staat eine Entschädigungszahlung erhalten sollen, bleiben Zerstörung, Verunsicherung und Angst vor neuen Angriffen. Die Christen brauchen unser Gebet.

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Von Open Doors

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Gottesdienste in Ruinen

Am vergangenen Sonntag, dem 20. August, haben sich die Christen in der ostpakistanischen Stadt Jaranwala wieder zu ihren Gottesdiensten versammelt. Allerdings saßen sie dabei nicht, wie sonst üblich, in Kirchenbänken oder auf Stühlen innerhalb ihrer schönen Kirchengebäude. Diesmal standen sie draußen unter freiem Himmel – zwischen Glasscherben und Trümmerhaufen vor angesengten Kirchenmauern. Nach den Gottesdiensten konnten viele auch nicht zum gemeinsamen Mittagessen nach Hause gehen – weil sie kein Zuhause mehr haben. „Sie haben alles verloren – ihr geistliches und ihr eigenes Zuhause. […] Sie sind damit konfrontiert, dass ihr Zuhause eine leere Hülle dessen ist, was es einmal war; sie sind obdachlos und haben nichts mehr“, sagt ein lokaler Christ.

Die Häuser von rund 100 christlichen Familien sowie ein Großteil der christlichen Kirchen in Jaranwala wurden bei den Ausschreitungen am vergangenen Mittwoch beschädigt oder zerstört. Tausende extremistische Muslime zündeten Bibeln an, zerstörten Kirchen und christliche Wohnhäuser. Viele Christen sahen sich zur Flucht gezwungen.

Nur wenige Stunden vor Ausbruch der Gewalt hatte es eine Anzeige bei der Polizei gegen zwei inzwischen festgenommene christliche Brüder gegeben, denen die Schändung des Koran vorgeworfen wurde: Ihre Namen, Adressen und Ausweisnummern waren gemeinsam mit einzelnen Koranseiten gefunden worden, in die abfällige Äußerungen hineingeschrieben waren. Lokale Christen bezweifeln, dass die Angriffswelle eine spontane Reaktion auf diese Blasphemievorwürfe war, und vermuten Vorausplanung. Auch Amir Mir, der regionale Minister für Information, hält die Angriffe laut der Washington Post für „sorgfältig koordiniert“. Seit den Angriffen haben die Behörden rund 160 Menschen festgenommen, und eine Summe von ca. 2 Mio. pakistanischen Rupien (ca. 6.130 Euro) soll an jede der rund 100 betroffenen Familien ausbezahlt werden.

Furcht vor neuen Angriffen

Doch die Menschen in Jaranwala fürchten sich vor neuen Angriffen. „Die Angst beschränkt sich nicht nur auf die Menschen, die dort leben“, sagt ein Christ, dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden kann. „Auch die christlichen Leiter sind sich der Gefahr bewusst und bitten die Christen besorgt um Vorsicht und Wachsamkeit.“ Die Christen in Jaranwala sind von den Ereignissen des vergangenen Mittwochs erschüttert, aber sie halten dennoch an ihrem Glauben fest.