„Wir spielen als paramilitärischer Arm des Special Activities Center“  – Computerspiel oder echte Wirklichkeit?

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Kann ein Computerspiel die echte Geheimdienst-Wirklichkeit besser – als etwa mehrere Fachbücher – darstellen? Diese schräge Frage kann manchmal tatsächlich mit einem eindeutigen – Ja – beantwortet werden. Das zu Grunde liegende Computerspiel-Szenario Ground Branch verspricht auf seiner Webseite werbewirksam ein realistisches Kampfgeschehen nachzubilden. Und es hat mit dieser Aussage vollkommen recht.

Ground Branch: „Im Namen des US-Geheimdienstes CIA verdeckte Operation gegen Terroristen ausführt“

>>GameStar<<

„Das Szenario ist für einen Taktik-Shooter unverbraucht, wir spielen als paramilitärischer Arm des Special Activities Center/ der Special Operations Group (SAC/SOG) der Central Intelligence Agency. Einfacher gesprochen: Wir sind Mitglieder des Ground Branch, der im Namen des US-Geheimdienstes CIA verdeckte Operation gegen Terroristen ausführt. Eine richtige Story dürft ihr aber nicht erwarten. Immerhin soll ein Kampagnenmodus mit einer ganzen Reihe von kleineren Einsätzen integriert werden. Der Star ist die Vielfalt der taktischen Optionen. Unseren Operator können wir frei modifizieren. Sprich: Klamotten, Waffen und taktische Ausrüstung anpassen. Ja, sogar jede einzelne Tasche an unserer Kampfweste bestimmen wir selbst, was Einfluss auf die mitgebrachten Munitionsarten und Granaten hat.“

Ground Branch: „Wir spielen als paramilitärischer Arm des Special Activities Center“  

Das Szenario des Computerspiels Ground Branch dürfte näher an der Realität sein, als sich so mancher Spieler vielleicht vorstellen mag. Der amerikanische Geheimdienst Central Intelligence Agency hat tatsächlich solche Einheiten in echte Einsätze geschickt. Die Spielebeschreibung dürfte dabei Wirklichkeit recht gut wiedergeben. Vermutlich sind solche Einheiten schon länger im Einsatz, als es die CIA überhaupt gibt.

„Arbeitete Virginia Hall für die CIA, unter anderem für die „Special Activities Division“, die Abteilung für Sondereinsätze“ 

>>Welt<<

„Zur CIA-Vorgängerinstitution „Office for Strategic Services“ (OSS) gehörte die Spionin Virginia Hall, die im Zweiten Weltkrieg im deutsch besetzten Frankreich eingesetzt war. Auf einem Gemälde ist sie zu sehen, wie sie Nachrichten verschlüsselt. Nach 1945 arbeitete Virginia Hall für die CIA, unter anderem für die „Special Activities Division“, die Abteilung für Sondereinsätze.“

Szenario des Computerspiels Ground Branch trifft auf Wirklichkeit

Schon die Spionin Virginia Hall hat während des Zweiten Weltkriegs solche oder vergleichbare Einsätze – überwiegend im Frankreich – durchgeführt. Damals war sie aber noch für das Office for Strategic Services eingesetzt, welches später zur heute bekannten CIA werden sollte. Das Office for Strategic Services ist aber selbst aus jenem militärischen Bereich gekommen. Unter diesem Blickwinkel sind auch die heutigen Aktivitäten der modernen CIA besser erklärbar, indem sie mehr wie Soldaten in offene Konflikte eingreifen.

„Central Intelligence Agency schickte Agenten des Special Activities Center“

>>Schiller Institut<<

„Lassen Sie mich die Geschichte der Vereinigten Staaten im Krieg in Syrien rekapitulieren. 2011 war das Jahr, in dem der Krieg begann. Der Krieg dauert schon seit zehn Jahren an, aber angefangen hat er im Jahr 2011. Bevor er sich tatsächlich zu einem ausgewachsenen Krieg entwickelte, gab es innenpolitische Proteste in Syrien. Die Central Intelligence Agency schickte Agenten des Special Activities Center; sie betraten heimlich und gegen alle internationalen Gesetze das souveräne Territorium Syriens. Ihre Mission war es, Al-Kaida nahestehende Terroristen beim Sturz der Regierung von Syrien anzuleiten. … Diese Waffen wurden über die Grenze nach Syrien geschleust, wo sie für einen Feldzug benutzt wurden, zu dem auch die vorsätzliche Massenvergewaltigung von Frauen und Kindern gehörte. Dazu gehörten Enthauptungen; dazu gehörten Kreuzigungen. Wir haben buchstäblich Christen ans Kreuz geschlagen. Das passierte auf Veranlassung der Central Intelligence Agency und mit ihrer Finanzierung und ihrer Führung und Anleitung von Al-Kaida.“

„Mission war es, Al-Kaida nahestehende Terroristen beim Sturz der Regierung von Syrien anzuleiten“

Allerdings muss zur Relativierung gesagt sein: Das beim Einsatz von Geheimagenten keine wirklichen internationalen Gesetze existieren. Gefangene Agenten können sich – anders als Soldaten – auf keine Genfer Konvention berufen. Deshalb ist selbst die globale Jagd auf Menschen möglich.

„Globale Menschenjagd“ – „Geflecht aus Spezialkommandos und Agenten der CIA-eigenen Special Activities Division“

>>Schmutzige Kriege. Amerikas geheime Kommandoaktionen von Jeremy Scahill (Buch) <<

„Ehemalige hochrangige Mitarbeiter des CIA und des Außenministeriums versicherten, Cheney habe praktisch eine globale Menschenjagd in Gang gesetzt, für die er ein Geflecht aus Spezialkommandos und Agenten der CIA-eigenen Special Activities Division verwendete, dem paramilitärischen Arm der CIA. Über diese geheimen oder verdeckten Aktionen wurden, wo immer sie auf der Welt stattfanden, selbst die jeweiligen US-Botschafter, Kommandeure des regulären US-Militärs und Chefs der CIA-Büros im Unklaren gelassen.“

„CIA-eigenen Special Activities Division verwendete“ – „Dem paramilitärischen Arm der CIA“

Das Szenario des Computerspiels Ground Branch ist also wirklich recht nah an der Wirklichkeit entwickelt worden, wobei viele Einsätze im Detail etwas anders ablaufen dürften. Meist werden zur verdeckten Operation verschiedene Tarnfirmen – wie Air America – eingesetzt, ob die dortigen Mitarbeiter über ihre Rolle wirklich eingeweiht wurden? Die Frage muss im Einzelfall offen bleiben. Denn einige Tarnfirmen sind teilweise zur beachtlichen Größe angewachsen und die CIA-Geheimarmeen dürften nur sehr unzureichend ihre Tarnung aufrecht gehalten haben können.

Tarnunternehmen: „Air America“ – „Flugdienst der CIA“

>> Die CIA und das Heroin: Weltpolitik durch Drogenhandel von Alfred W McCoy  (Buch) <<

„Wir erfuhren auch, dass wir beobachtet wurden und die Nachricht von unserer Anwesenheit von einem Hmong-Hauptmann der CIA-Geheimarmee in seinen Berichten zur CIA-Hauptbasis in Long Tieng weitergegeben worden war. Am vierten Tag in Long Pot entdeckte uns ein Hubschrauber mit der Kennung »Air America« – der Flugdienst der CIA – auf einem nahen Berg, als er nach Long Tieng abflog.“

„Anwesenheit von einem Hmong-Hauptmann der CIA-Geheimarmee in seinen Berichten zur CIA“

Ob die Mitarbeiter von Tarnfirmen überhaupt wissen: Für welche Firma sie da tätige seien? – Dieses Frage ist keineswegs aus der Luft gegriffen, weil es hierzu einige bisweilen bizarre Urteile von Arbeitsgericht gebe.

„Spitzen-Pilot sich weigert, Gespräche mit dem Bundesnachrichtendienst zu führen“

>>Nürnberger Nachrichten<<

„Die Nürnberger Flugambulanz Aero-Dienst hat ihren Flottenchef entlassen, weil der Spitzen-Pilot sich weigert, Gespräche mit dem Bundesnachrichtendienst zu führen. In erster Instanz hat das Arbeitsgericht der Firma recht gegeben. Begründung: Der 55-jährige gebürtige Iraker stelle für sie ein Sicherheitsrisiko dar. Die beiden freundlichen Herren H. und R. stellten sich als Familienhelfer vom Münchner Sozialamt vor. Sie boten persönliche Betreuung an. Nejimaldin Shabib Hama Muradi nahm die Hilfe für seine Familie freudig an. Damals, Ende 1997, war er gerade als Gegner des Regimes von Saddam Hussein mit seinen vier Kindern aus dem Irak über die Türkei und Polen nach Deutschland geflohen und hatte einen Asylantrag gestellt, der noch im Dezember anerkannt wurde.“

„Ein Pilot wurde angeblich deshalb entlassen, weil er sich weigerte, mit dem BND zusammenzuarbeiten“ 

Laut Telepolis: „Ein Pilot wurde angeblich deshalb entlassen, weil er sich weigerte, mit dem BND zusammenzuarbeiten“ – Wie dem auch immer sei: Auf jeden Fall existiert die betreffende Firma bis zum heutigen Tage und sie wurde etwa zeitgleich – zwei Jahre an Unterschied – quasi zusammen mit dem BND gegründet. Zumindest vom allgemeinen Schema würde es zum amerikanischen Pendant passen. Laut Eigenaussage des Bundesnachrichtendienst führt er nur Informationen – als passiver Nachrichtendienst – zusammen und greift nicht in aktiv in Geschehen ein. Dennoch drängt sich die Frage auf: Ist diese Regel auch auf deren Tarnfirmen anzuwenden?

 

–W E R Β U Ν G–

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