Warum die Schattenwirtschaft ins Bruttoinlandsprodukt miteinfließt

Screenshot playstationlifestyle.net

Wer einen Auftragskiller anheuert, tut etwas für das Bruttoinlandsprodukt. Klingt reichlich abwegig, entspricht aber der Realität. Seit einigen Jahren fließen in die Berechnung des BIP, auch die wirtschaftliche Aktivitäten der Schattenwirtschaft mit ein. Oder genauer gesagt, die hypothetischen Zahlen davon.

>>Spiegel<<

“Der Wert der illegalen Tätigkeiten wird der Behörde zufolge geschätzt: “Das wird modellmäßig berechnet, weil es für diese Kategorie von Aktivitäten keine Basisstatistiken oder Erhebungen gibt”, sagte die Sprecherin. Die Daten werden ab September dieses Jahres erfasst. Hintergrund: Zu diesem Zeitpunkt wird das System zur Berechnung des BIP auf das neue Europäische System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung (ESVG) umgestellt, bislang galt die Version von 1995. Die neue Verordnung stammt aus dem Jahr 2010.”

 

>>Statistisches Bundesamt (PDF-Datei) <<

“Zum anderen bergen die expliziten Schätzungen zur Sicherstellung der Vollständigkeit erhebliche statistische Unsicherheiten und können als solche den Qualitätsanforderungen an eine amtliche Statistik nicht genügen. Obwohl auch bereits die derzeit gültigen internationalen VGR-Konzepte (in Europa rechtsverbindlich das ESVG 95 und weltweit das SNA 93) die Einbeziehung von bestimmten illegalen Aktivitäten in das BIP vorsehen, wurde diese Regel in Europa bisher nicht einheitlich angewandt. Illegale Produktionsaktivitäten wie Drogenwirtschaft wurden in Deutschland bislang nicht in das BIP einbezogen, sondern der Fokus lag auf der Erfassung der per se legalen Produktionsaktivitäten (einschließlich Schattenwirtschaft und Prostitution ). Grund hierfür war vor allem die schlechte Datenlage sowie die Annahme, dass illegale Produktionsaktivitäten in Deutschland keine große wirtschaftliche Bedeutung haben.”

 

>>Wirtschafts Woche<<

“Auch hierzulande ist das organisierte Verbrechen auf dem Vormarsch. Wenn also die BIP-Zahlen in Zukunft deutlich höher ausfallen, ist das krimineller Energie zu verdanken.”

Die entscheidende Frage lautet wohl: Wo genau der Ursprung der vermeintlichen “krimineller Energie” zu verorten ist? Zu Berücksichtigen: Bei den Bruttoinlandsprodukt handelt es sich mitnichten, um irgendwelchen abstrakten Wirtschaftszahlen, wo im Nachgang einige Ökonomen und Wirtschaftswissenschaftler über die vorliegenden Ergebnisse ausführlich sinnieren – sondern hier liegt ein handfester politischer Interessenkonflikt vor.

>>Staatsrundfunk “Mitteldeutscher Rundfunk” <<

“Zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für die Verteidigung, das fordern die Vereinigten Staaten von ihren Nato-Partnern.”

Neben den Verteidigungshaushalt wird auch die Staatsverschuldung an den BIP-Zahlen gemessen – was bedeutet: Je höher das BIP, desto geringer Schuldenquote.

>>Welt<<

“Hauptnutznießer dieses für den Bürger so unerfreulichen Trends ist jedoch nicht Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Wie eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, profitierten in den letzten Jahren vor allem die Bundesländer vom Anstieg der Steuerquote.”

Bei der Steuerquote – die sich ebenfalls aus dem BIP – errechnet, verhält es sich ganz ähnlich: Je höher das BIP, desto geringer die Quote an Steuern.

>>Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Landesverband Hessen (PDF-Datei) <<

“Zum einen ist festzustellen, dass die Besoldung seit der Jahrhundertwende deutlich hinter der Entwicklung der Wirtschaftskraft in Deutschland zurückgeblieben ist, und zwar um gut 15 Prozentpunkte.”

Ebenso die alljährliche – automatische und ohne parlamentarische Debatte – Erhöhung der Diäten: Basieren auf der Berechnungsgrundlage des Bruttoinlandsproduktes.

>>Focus<<

“Neben der Berechnungsmethode von Shadowstats.com gibt es eine einfache Faustformel, die in der volkswirtschaftlichen Forschung eingesetzt wird. Danach entspricht die Inflationsrate dem Wachstum der Geldmenge minus dem Wirtschaftswachstum. Das ist logisch. Denn eigentlich sollte die Geldmenge durch die Wirtschaftsleistung eines Staates gedeckt sein. Ist sie das nicht, steht der Geldvermehrung keine gestiegene Wirtschaftsleistung gegenüber. Das Ergebnis heißt Inflation. Aus dieser Berechnungsmethode ergibt sich für Deutschland, dass die Preise von 2001 bis Ende 2012 um 66 Prozent gestiegen sind – und nicht um gut zwölf Prozent, wie es die offizielle Statistik glauben machen will.”

Es dürfte wenig überraschen, das Löhne, Gehälter und Renten in der Regel sich an der “viel geringeren” Inflation orientieren und weniger am BIP. Natürlich macht es von der reinen Logik keinerlei Sinn, irgendwelche – mutmaßlichen – kriminellen Aktivitäten in offiziellen Wirtschaftszahlen mit einfließen zu lassen. Unabhängig davon: Die Geheimdienste wissen mit hoher Wahrscheinlichkeit über den Umfang der Schattenwirtschaft sehr genau Bescheid, aber harte Zahlen sind wohl – in Anbetracht der Sachlage – eher ein Störfaktor.

 

 

 

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