Lausitzer Denkmalschutz: Wie mit Sprengstoff & Abrissbagger das neue „Kulturverständnis“ durchgesetzt wird

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Im 19. Jahrhundert wurde Archäologie noch mit Sprengstoff betrieben: Die schon damals berühmten ägyptischen Pyramiden wurden einfach mit roher Gewalt aufgesprengt. Es ist dabei weniger um „Archäologie“ gegangen. Vielmehr wollte man an die Schätze im Inneren gelangen. Der Erhalt von wichtigen Kulturgütern war bei solchen „Unternehmungen“ eher Vernachlässigbar gewesen.

Sprengstoff & Abrissbagger: Das neue universelle „Kulturverständnis“ 

Dieses doch etwas seltsame „Kulturverständnis“ blüht in heutiger Zeit erneut wieder auf: Mit Sprengstoff und groben Abrissbaggern geht es technischen Denkmälern und historischen Gebäuden an den Kragen. Auch das „Blaue Wunder“ der Lausitz soll verschwinden.

Technisches Denkmal: Warum das „Blaue Wunder“ der Lausitz gesprengt werden soll

>>Rottenplaces<<

„Die Aufgabe des Tagebaugroßgeräts bestand darin, den Abraum bis zu der Höhe abzutragen, den dann die im Tagebau eingesetzte Förderbrücke mit ihren Baggern bewältigen konnte. 2002 war das Arbeitsleben beendet.“

Lausitzer Revier: Wie mit technischen Denkmälern umgegangen wird

>>Ostkohle.de<<

“ … wegen des Anstriches auch das “Blaue Wunder” genannt … „

Schaufelradbagger 1473: „Wegen des Anstriches auch das “Blaue Wunder” genannt“

Wie geht es nun mit dem „Blaue Wunder“ der Lausitz weiter? Schon seit Jahren wird es Verfallen gelassen und als Ergebnis soll es – im Zuge der Gefahrenabwehrgesprengt werden. Was sich zunächst wie ein Scherz anhören mag: Das ist tatsächlich ernst gemeint. Das technische Denkmal des Lausitzer Reviers soll nicht für die Nachwelt erhalten bleiben, sondern als Altmetall enden. Das stellt keinesfalls eine lehre Drohung dar, was so manches ehemalige Rittergut bestätigen könnte.

„Erstmals 1248 genannt“ – „Rittergut wird abgerissen“

>>Alles-Lausitz.de<<

„Rittergut wird abgerissen – Der Gemeinderat der Gemeinde Haselbachtal hat den Abriss des historischen Gebäudekomplexes beschlossen. Die Kosten in Höhe von (voraussichtlich) knapp 490.000 Euro sollen zu 90 Prozent aus Mitteln des Landesprogrammes „Brachenberäumung“ kommen. Das Rittergut Reichenau wurde laut Regionalmanagement des Leader-Gebietes „Dresdner Heidebogen“ erstmals 1248 genannt und hatte „die Struktur eines Vierseitenhofes mit Herrenhaus und Wirtschaftsgebäuden.“ … wollte auch die Gemeinde Haselbachtal nichts investieren. So verfielen die Gebäude immer mehr“

„Wollte auch die Gemeinde Haselbachtal nichts investieren – So verfielen die Gebäude immer mehr“ 

Ein rund 800 Jahre altes Gebäude wurde als „Bauschutt“ recycelt. Der halb-offizielle „Verfahrensweg“ zum Abriss von denkmalgeschützten Bauwerken folgt also einer ganz klaren Richtschnur entlang: Erst wird es den Verfall preis gegeben und anschließend rücken die Sprengkommandos und Abrissbagger an.

Rittergut Reichenau: Ein rund 800 Jahre altes Gebäude zu „Bauschutt“ recycelt

Ein weiteres interessantes Detail zum Rittergut: Zum Erhalt der denkmalgeschützten Gebäude scheint irgendwie nie Geld vorhanden zu sein, aber wenn die Abrisskommandos anrollen, dann stehen plötzlich üppige Fördertöpfe bereit. Fast noch Schlechter ist es aber um die Hinterlassenschaften des Altertums bestellt.

„Älter als das weltberühmte Stonehenge in England oder die Himmelsscheibe von Nebra“

>>Historiker Ralf Herold<<

„Dieses Altbautzner Sonnenobservatorium ist älter als das weltberühmte Stonehenge in England oder die Himmelsscheibe von Nebra. In ihm sind die Megalithische Elle sowie das geheime Wissen von Kelten, Germanen und Slawen vereint. Bis 1116 war es in Betrieb.“

„Das geheime Wissen von Kelten, Germanen und Slawen vereint“

Zur Vollständigkeit: Es gibt nicht nur ein Sonnenobservatorium in der Lausitz, sondern es sind mehrere bisher bekannt. Diese sind teilweise etwas unterschiedlich aufgebaut, aber eine zentrale Gemeinsamkeit vereint sie: Ähnlich wie beim weltberühmte Stonehenge in England zeigen sie zweimal im Jahr die Tag und Nachtgleiche an. Trotz des schlechten Zustands dieser Anlagen ist die Präzision erstaunlich.

Verwahrlost im Wald: Die Sonnenobservatorium in der Lausitz

Aber im Gegensatz zum weltberühmte Stonehenge in England stehen weder für dem Erhalt, noch für die Erforschung keine oder nur sehr geringe staatliche Mittel bereit. Hauptsächlich privaten Initiativen ist der Erhalt und die Erforschung zu verdanken. Obwohl sogar ein Nachbau realisiert werden konnte: Das gezeigte Desinteresse dürfte wohl kaum zu Leugnen sein. Noch viel Negativer fällt die Bilanz über die Lausitzer Slawenburgen aus.

„Die heutige „Slawenburg Raddusch“ erinnert die an die Kultur der Slawen im Spreewald“

>>Lausitzer Museenland<<

„Der Stamm der Lusizi baute am Rande des Spreewaldes rund 30 Flucht- und Speicherburgen. Der Radduscher Ringwall hatte einen Durchmesser von 57 Meter, war über 10 Meter breit und bis zu 9 Meter hoch. Die heutige „Slawenburg Raddusch“ erinnert die an die Kultur der Slawen im Spreewald. Sie entstand als äußerliche Idealrekonstruktion einer slawischen Burg des 9./10. Jahrhunderts.“

Slawenburg Raddusch: „Idealrekonstruktion einer slawischen Burg des 9./10. Jahrhunderts“

Bei der heutigen – öffentlich zugänglichenSlawenburg Raddusch handelt es sich um keine denkmalgeschützte Anlage. Es stellt nur ein Replik dar. Denn die echten Slawenburgen sind für Unkundige heutzutage kaum zu finden. Ausnahmslos alle Anlagen wurden – im wahrsten Sinne des Wortes – dem Erdboden gleich gemacht. Auch hier fühlt sich für dem Erhalt niemand wirklich zuständig.

 

–W E R Β U Ν G–

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