Sorbenfeindliche Ideen: Warum seltsame Formen von Vandalismus um sich greifen

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Greifen Sorbenfeindliche Ideen um sich? Immer wieder werden Schilder mit Sorbischer Beschriftung überklebt oder beschmiert. Sogar vor Denkmälern wird nicht halt gemacht. Tatsächlich lässt diese Sorbenfeindlichkeit weit in der Geschichte zurückverfolgen und es ist eine gewisse Struktur dahinter zu erkennen.

„Die Unesco hat das Sorbische als bedrohte Sprache eingeschätzt“

>>Heiko Kosel<<

„Die Unesco hat das Sorbische als bedrohte Sprache eingeschätzt. Verschiedene Herrschaftsstrukturen haben alles Mögliche unternommen, um das Sorbische auszurotten. Schon zu Zeiten des Kaiserreiches haben deutsch-nationale Eliten darauf hingewiesen, dass man die sorbische Sprache und Kultur ausrotten müsste, weil die Existenz einer slawischen Sprache vor den Toren der Reichshauptstadt zeigen würde, dass Berlin auf „slawischem Kolonialboden“ stünde. Aber natürlich war der Höhepunkt unter den Nationalsozialisten. Es wäre doch verheerend, wenn das Ergebnis dieser sorbenfeindlichen Ideen ausgerechnet jetzt, in einem demokratischen Rechtsstaat, eintreten würde.“

„Berlin auf „slawischem Kolonialboden“ stünde“

Fraglos hat die Sorbenfeindlichkeit während der NS-Herrschaft einen Höhepunkt erreicht. Dennoch ist über die Jahrhunderte eine gewisse Kontinuität nicht von der Hand zu weisen. Denn auch während der 1920er Jahre haben staatliche Behörden eine sogenannte „Wendenabteilung“ unterhalten.

„Wendenabteilung“ – „Zur Überwachung der Sorben“

>>Stadt Bautzen<<

„Zur Überwachung der Sorben wird bei der Amtshauptmannschaft Bautzen die „Wendenabteilung“ gegründet, die bis 1945 besteht. Ihr Ziel ist u. a. die „Aufdeckung jeder wendischen Nationalbewegung als reichsfeindlich“ und die „Förderung des Aufgehens der Wenden im Deutschtum“.

„Wendenabteilung“ – „Aufdeckung jeder wendischen Nationalbewegung als reichsfeindlich“

Auch nach 1945 ging die Bespitzelung – unter anderen Vorzeichen – weiter. Letztendlich mögen die Methoden unterschiedlich sein, aber Ende laufen die verfolgten Ziele fast auf das selbe Ergebnis hinaus.

„Domowina“ – „Erwies sich bereits ab 1946 als treuer Gehilfe der SED“

>>Prager Zeitung<<

„Die „Domowina“ (sorbischer Name für Heimat), der Dachverband sorbischer Vereine und Vereinigungen, erwies sich bereits ab 1946 als treuer Gehilfe der SED. Führende Mitglieder, wie der Vorsitzende Pawoł Nedo waren der KPD bereits 1945 beigetreten. Sie sahen ihre Aufgabe darin, die gesamte sorbische Lebenswelt in den Dienst der sozialistischen Gesellschaft zu stellen. Wahrung und Schutz der sorbischen Kultur wurden als Separatismus und Nationalismus diskreditiert.“

„Wahrung und Schutz der sorbischen Kultur wurden als Separatismus und Nationalismus diskreditiert“

Die „Domowina“ ist als Verein noch heute existent und ihre sichtbare Nähe zum Staat dürfte nicht mal sie selbst verleugnen. Auch ihre Rolle innerhalb der DDR wurde nie richtig aufgearbeitet. Zusätzlich kommen noch sehr seltsame Vorkommnisse hinzu.

„Nur Vandalismus oder schon politische Aussage?“

>>Lausitzer Rundschau<<

„Nur Vandalismus oder schon politische Aussage? – Die Aufregung schien groß, als bekannt wurde, dass wieder einmal die Schrifttafeln am Cyrill-Methodus-Denkmal bei Schmochtitz („Milleniumsdenkmal“) abgerissen, zerbrochen und auf den Boden geworfen wurden. … Kyrill und Method, zwei aus Griechenland stammende Brüder, gelten als die Missionare der slawischen Völker Ost- und Südosteuropas. … Cyrill gilt darüber hinaus als der Begründer der slawischen Schriftsprache, dem „kyrillischen“ Alphabet.“

„Cyrill gilt darüber hinaus als der Begründer der slawischen Schriftsprache“

Zum Hintergrund von Kyrill und Method muss man wissen: Dieser Teil der Sorbischen Geschichte ist doch sehr speziell und eher wenig bekannt. Außerdem ist dieses Denkmal im ländlichen Raum sehr abgelegen. Die Täter müssen also über Hintergrundwissen der Sorbischen Geschichte und über sehr viel kriminelle Energie verfügen. Interessanterweise waren solche „Anschläge“ oder Formen von Vandalismus zu DDR-Zeiten faktisch unbekannt. Auf eine andere „Merkwürdigkeit“ macht sogar der staatliche Rundfunk selbst aufmerksam.

„Sorbisch-wendischen Bezeichnungen auf den Straßenschildern beschmiert“

>>Staatsfunk „Rundfunk Berlin-Brandenburg“ <<

„In Cottbus sind in den vergangenen Wochen in rund 15 Fällen die sorbisch-wendischen Bezeichnungen auf den Straßenschildern beschmiert, ganz oder teilweise überklebt worden. … Er gehe von einer gezielten Aktion gegen die Zweisprachigkeit in Cottbus aus,  …. … Bisher seien diese Angriffe auf die Oberlausitz begrenzt gewesen, wo in den Vergangenheit auch Ortsschilder betroffen waren, hieß es.“

„Bisher seien diese Angriffe auf die Oberlausitz begrenzt gewesen“

Es geht vermutlich weniger um Ober- oder Niederlausitz, sondern genau dort verläuft die Grenze zweier Bundesländer. Diese Formen von Vandalismus treten nicht nur in Wellen auf, sondern machen jeweils an der Grenze des jeweiligen Bundeslandes plötzlich halt. Genau dort verläuft auch die Grenze zweier unterschiedlicher Ämter des Verfassungsschutzes. Bis auf diese anonymen Anschläge ist keine echte Sorbenfeindlichkeit innerhalb der Lausitzer Bevölkerung bekannt. Es geht also wohl eher darum, Stimmung zu erzeugen, um die Bevölkerung gegeneinander auszuspielen.