Wenn das fiktive „Wahrheitsministerium“ gegen den realen Faktenfinder antritt – Falschnachrichten gegen Falschnachrichten

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Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“ – Rosa Luxemburg. Da die Medien sich in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise mit sinkenden Verkaufs- und Zugriffszahlen befinden: Muss ein mitreißendes Reizthema her und dabei wird der Platz für die „Freiheit der Andersdenkenden“ immer enger. Dafür auserkoren wurde der Kampf gegen vermeintliche Falschnachrichten. Schon George Orwell hat in seinen fiktiven Roman die Entwicklung vorgezeichnet: Er beschrieb es allerdings noch als fiktives „Wahrheitsministerium“ und das entsprechende reale Gegenstück dürfte wohl der „Faktenfinder“ sein. Obwohl der Begriff „Wahrheitsministerium“ dafür doch soviel Eingängiger wäre.

Geheime Verschlusssache: Das Buch mit der absoluten Wahrheit

Meisten hängt sich der sogenannte „Faktenfinder“ an semantischen Begrifflichkeiten auf. Ungefähr nach dem Motto: Es hat im Jahr 1990 keine Deutsche Wiederverneigung stattgefunden, sondern – rechtlich korrekt – sind einige Bundesländer dem Grundgesetz beigetreten: Es kann auch so in offiziellen Dokumenten nachlesen werden. Bedeutet: Also jeder der von einer Deutsche Wiederverneigung redet, verbreitet demnach Falschnachrichten.

Nach Logik des Faktenfinder: Warum es keine Deutsche Wiederverneigung gab

Im feinsten Behördendeutsch hängt man sich – nach diesem Muster – an einzelnen Begriffen auf und versucht sie zu widerlegen. Der Splitter im anderen Auge wird dabei minutiös beobachtet, während der Balken im eigenen Auge übersehen wird. Kurzum: Falschnachrichten sind nur dann echte Falschnachrichten, wenn sie nicht vom Öffentlichen Rundfunk stammen. In all der geschürten Hysterie werden dann auch wichtige rechtliche Aspekten völlig ausgeblendet. Ganz Besonders: Das Buch mit der absoluten Wahrheit.

„Deutsche Medien stecken in einer Glaubwürdigkeitskrise“

>>Goethe-Institut<<

„Deutsche Medien stecken in einer Glaubwürdigkeitskrise. Um Vertrauen zurückzugewinnen und gegen Manipulationen und Falschinformationen im Internet vorzugehen, haben sie verschiedene Initiativen gestartet. … Faktenfinder ist der Tagesschau, der zuschauerstärksten TV-Nachrichtensendung in Deutschland zugeordnet.“

Medien: Der große Vertrauensverlust

Natürlich ist es kein Geheimnis, dass das Goethe-Institut dem Bundesnachrichtendienst nahe steht. Doch was hier präsentiert wird, kann beinahe schon als Musterbeispiel für orwellschen Doppelsprech gelten: Denn gerade der staatliche Rundfunk hat durch seine Falschbehauptungen massiv an Vertrauen verloren.

Falschnachrichten: „Inhaltliche Verzerrung in einer seiner Fernsehdokumentationen“

>>Focus<<

„Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat eine inhaltliche Verzerrung in einer seiner Fernsehdokumentationen eingeräumt. In dem Film „Ehe aus Vernunft“ der Sendereihe „Menschen hautnah“ sei die Beziehungsgeschichte eines Paars „in unzulässiger Weise zugespitzt“ worden, räumte der Sender am Freitag in Köln ein.“

Die Falschnachrichten im Öffentlichen-Rundfunk

Eine sehr beschönigende Darstellung: Tatsächlich war die „Reportage“ praktisch komplett erfunden und die Protagonisten waren in Wirklichkeit bezahlte Komparsen. Nur durch aufmerksame Bürger ist der Skandal überhaupt an die Öffentlichkeit gelangt. Es handelt sich also mitnichten um ein bedauerliches Versehen, sondern wohl eher um einen hinterhältigen Vorsatz: Denn schon eine einfache Vorab-Recherche hätte genügt, um die Lüge als solche zu entlarven. Für die Zuschauer bleibt am Ende jedes Berichts des Öffentlichen-Rundfunks die Frage übrig: Welche Meldung entspricht nun tatsächlich der Realität und was davon ist erfunden? Im Nachrichtendienstwesen gilt allgemein der Grundsatz: Eine unzuverlässige Quelle ist keine Quelle.

Glaubwürdigkeitskrise der etablierten Medien

Die Glaubwürdigkeitskrise der etablierten Medien kommt also mitnichten von ungefähr. Mit der Strategie des sogenannten „Faktenfinder“ dem Finger nun auf andere zu zeigen: Zeugt vielmehr von Einfallslosigkeit.

Falschnachrichten über Filterblase

>>Staatsfunk „Faktenfinder“ <<

„Wer sich aus wenigen Quellen informiert, läuft Gefahr, in eine Filterblase einseitiger Meinungen zu geraten.“

Wahrheitsministerium – Wenn der Faktenfinder eigene Fakten erfindet

Der sogenannte „Faktenfinder“ will also herausgefunden haben: Das Filterblasen angeblich gefährlich seien. Die mit Abstand größte „Filterblase“ dürfte ohnehin der staatliche Rundfunk sein: Für kaum eine andere Meinung steht soviel Geld zur Verfügung und gesendet wird auf allen nur denkbaren Kanälen: Also nach der eignen Logik, müsste der staatliche Rundfunk sich selbst abschaffen.

Die perfide Lüge des staatlichen Rundfunks

Besonders Perfide: Tatsächlich geht von Filterblasen keine nennenswerte Gefahr aus: Denn wissenschaftliche Institute haben das schon längst – durch langwierige Untersuchungenwiderlegt. Es handelt sich also hierbei um eine klassische Falschmeldung und das ausgerechnet von einem Portal, dass selbst Falschmeldungen entlarven will.

Warum der staatliche Rundfunk sich selbst abschaffen muss

Möglicherweise hat der sogenannte „Faktenfinder“ in seiner regen Suche nach Falschnachrichten den größten und zugleich wichtigsten Fakt überhaupt übersehen. Und zwar das rechtliche Buch mit der absoluten Wahrheit: Das allseits gültige Grundgesetz.

Grundgesetz: Das Buch mit der absoluten Wahrheit

>>Artikel 5 des Grundgesetz<<

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Artikel 5: „Eine Zensur findet nicht statt“

Statt ein eigenes Portal mit dem Namen „Faktenfinder“ sollte der Öffentliche Rundfunk lieber eine Seite mit dem Titel „Artikel 5“ einrichten. Denn der besagte Artikel im Grundgesetz macht keinen Unterschied zwischen zwei – oder mehr – sich gegenüberstehenden Meinungen. Die Geschichte der Meinungsfreiheit lässt sich mindestens bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Schon der große französische Philosoph und Schriftsteller Voltaire hat gesagt: „Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen.

Voltaire: „Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen“

>>Voltaire<<

„Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen.“

Rosa Luxemburg: „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“

Im Zuge der Französischen Revolution im Jahre 1789 wurde unter anderen auch für die Meinungsfreiheit gekämpft. Die Gründerväter der USA sahen die Rede- und Meinungsfreiheit als so wichtig an, dass es in ihrer Verfassung sogar den ersten Rang einnimmt. – Und zwar nicht im übertragenen Sinne: Es handelt sich dabei wirklich um dem 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten.

Presse- und Meinungsfreiheit: Schon in der Paulskirchenverfassung von 1849

Als in den späten 1940er Jahren das Grundgesetz erstellt wurde, nahm man ausdrücklich Bezug zur Paulskirchenverfassung von 1849. Auch diese kam erst nach blutigen Kämpfen zustande. Bei der Revolution von 1848/49 kamen mehrere hundert Menschen ums Leben. Folglich kämpften sie auch für die Presse- und Meinungsfreiheit, die schon in der Paulskirchenverfassung so festgeschrieben waren. Anders als der sogenannte „Faktenfinder“ unterschwellig zu suggeriert versucht, kann Artikel 5 und das gesamte Grundgesetz nicht hoch genug eingeschätzt werden.

 

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